Die Halbinsel Hel ist ein Ort

IMG_7975-2Die Halbinsel Hel ist ein Ort, wo Fischfang und Fremdenverkehr eine Überlebenschance bieten, weil es Geld bringt. Wir kommen immer mehr zu der Überzeugung, dass Touristik genauso eine furchtbare Industrie ist wie der Fischfang. Im Hafen stinkt es immer und es gibt viel Abfall. Wir haben uns daran gewöhnt, aber in uns beginnt die Hoffnung auf einen anderen Alltag zu reifen. Wir wollen, dass es anders wird, obwohl wir immer noch Einwohner eines Fremdenverkehrsorts sind. Hel ist immer noch unsere Heimat.
Soll das heißen, dass wir den Lärm, die zertrampelte Vegetation am Strand, die laute Musik und die unkultivierten Touristen in Kauf nehmen müssen? Sind das alles die notwendigen Folgen des Geldverdienens? Wir, die Einwohner von Hel, sind es, die im Frühjahr und im Herbst die Strände aufräumen, weil wir uns dort das ganze Jahr erholen möchten. Wir sind es, die im Sommer nicht zum Schlafen kommen, weil uns das verdiente Geld für das ganze Jahr reichen muss. Wir sind es, die im Sommer nur den Geruch des Bratfischs wahrnehmen, der sich sogar gegen den Gestank im Hafen durchsetzt. Unter dem finanziellen Druck lassen wir uns auf all das ein, aber was ist mit den Tieren? Was haben die Tiere in den Wäldern der Halbinsel davon? Ich glaube nicht, dass sie davon träumen, in einem Wald zu leben, der mit Flaschen, Plastik und Papier vollgemüllt ist. Obwohl das alles immer noch besser ist als die Waldbrände, die auch immer wieder vorkommen, wenn fröhliche Touristen ein Lagerfeuer anstecken und die Kontrolle darüber verlieren. Eine Attraktion von Hel ist ein Baum, auf den leere Flaschen gesteckt werden. Für uns ist das ein Denkmal der Verzweiflung …
Jedes Jahr entrümpeln wir die Militärbunker – mehrere Dutzend Müllsäcke. Einer der wilderen Strände – weitere Dutzende Müllsäcke und ein paar Autoreifen. Verbringen die Fremden, die im Sommer zu uns kommen, ihr Leben in den Städten genauso? Wir vermuten, nicht!
Manche werden sagen, dass das eben die Zusatzkosten sind, die man tragen muss, wenn man in einem IMG_7881-2Fremdenverkehrsort lebt. Aber das sind Kosten, die wir nicht verstehen und akzeptieren. Die Leute kommen doch zu uns, weil sie die Nähe zur Natur suchen. Warum wissen sie deren Reize nicht zu würdigen? Warum zerstören sie den Wald, das Heim der Tiere, die nicht einfach ihre Sachen packen und in die schön aufgeräumten Städte umziehen können? Wir dachten, der größte Horror sind die Fischernetze, in denen viele Robben, Schweinswale und Vögel verenden, die sich zusammen mit den Fischen in ihnen verhaken, aber seit einiger Zeit fragen wir uns, ob nicht die Touristen, die die Natur nicht achten, noch schlimmer sind.
Die nächsten Ferien beginnen schon bald und wir möchten sehr, dass Hel ein Ort ist, wo man die Nähe der Natur findet und nach ein paar am Strand verbrachten Tagen mit Wertschätzung für jedes Geschöpf heimkehrt. Ein solches Hel ist der Ort, den wir schaffen wollen.

Poetry Slam workshop mit Jan Kapela

1.

Erderwärmung, Klimakatastrophe,
Alles wie ein großer Ofen.
Wir verbrennen Erdöl, wir verbrennen Kohle.
So zerstören wir Europa, Deutschland, Polen.

Klimawandel, Erderwärmung,
Wie geht´s weiter – keine Ahnung.
Bald schon kocht der Ozean –
Wasser kommt nur aus dem Wasserhahn.

Wenn wir zusammenarbeiten – Wetten? –
Können wir vielleicht doch noch die Erde retten,
Filter in Kamine installieren,
über Grenzen hinweg kooperieren.

Mülltrennung, Verwertung sind tolle Sachen,
Wenn wirklich alle dabei mitmachen!

2.

Erderwärmung, Klimakatastrophe,
Alles wie ein großer Ofen.
Wir verbrennen Erdöl, wir verbrennen Kohle.
So zerstören wir Europa, Deutschland, Polen.

Wir wollen nicht mehr CO2,
Das Fieber geht sonst nicht vorbei.
Hochwasser, Dürren, das wird sich nicht bessern –
Die Fische verrecken in den Gewässern.

Pflanzt einen Baum, schließt die Fabrik,
Das ist so gut wie gute Musik.
Plastikflaschen und Methan vom Vieh
Machen uns kaputt wie nie.

3.

Erderwärmung, Klimakatastrophe,
Alles wie ein großer Ofen.
Wir verbrennen Erdöl, wir verbrennen Kohle.
So zerstören wir Europa, Deutschland, Polen.

Lieber aktiv sein, durch die Gegend stampfen
Als zu Hause Rindfleisch mampfen.
Lieber öfter das Fahrrad benutzen
Als mit Fluppen die Atmosphäre verschmutzen.
Wir können die Luft noch sehr gut gebrauchen,
Der Mensch muss atmen – nicht rauchen.

Das Ozonloch ist eine Gefahr für die Erde
Wie das Methan aus den Rinderherden.
Wir müssen der Luftverschmutzung den Kampf ansagen,
Dürfen sie nicht einfach wie eine Sucht ertragen.
Wir müssen unser Wasser sauber machen
Und nicht in Plastikflaschen packen.

Übersetzung SineQuaNon

Sub-Station Hela

IMG_3740Die polnische Sub-Station des Projektes „Wetterstationen“ befindet sich am Ende der Halbinsel Hela an der Ostsee. Sie wird von den Schülern der Helaverteidiger-Allgemeinbildenden Gesamtschule gebildet.

Die Teilnehmer_innen des Projektes gehen zur Schule in einem der zur Sommerzeit am meisten aufgesuchten Touristenorte. In Hela gibt es viele touristischen Attraktionen: Ein Fahrradweg entlang der ganzen Halbinsel, schöne Strände, ein Steg, von dem aus die Pflanzenwelt in den Dünen bewundert werden kann, Überreste von Bunkern, die heute das Museum der Küstenverteidigung bilden, Robbenstation, die zu der Meeresstation  der Danziger Universität gehört und in der die Population polnischer Robben rekonstruiert wird, ein Fischerhafen, der Strand auf der Seite der Putziger Bucht und der Ostsee, das Fischermuseum und viele andere…

Im Sommer wollen mehrere Tausend Menschen täglich die Touristenattraktionen der Hela in Anspruch nehmen. Ist das ein Segen oder ein Fluch? Die Schönheit der Hela, die in den übrigen Jahreszeiten Lust auf ruhige Erholung macht, wird dabei jedenfalls zerstört.

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Die Projektteilnehmer_innen sagen:
„Dank des Projektes >Wetterstationen<, an dem wir seit über einem Jahr teilnehmen, lernen wir auch unsere Halbinsel kennen. Anfang März haben wir in der Nähe des Fischerhafens und der Spitze der Halbsinsel Vögel beobachtet. Herr Mikolaj, ein Ornithologe von der Meeresstation der Hela, nahm uns auf einen Ausflug mit Ferngläsern mit. Wir haben erfahren, wie Kormorane, Stockenten, Eisenten und viele Mövenarten in dem Hafen leben: Silbermöven, Lachmöven, Seemöven. Durch den Ausflug wissen wir, dass Eisenten oft in den Fischernetzen verrecken, bei dem s.g. Beifang. Wir hatten das Glück gehabt, seltene Exemplare zu sehen: Rotkelchen, Schneeammer.

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Und was beschäftigt unsere Schule im Alltag? Während des Schuljahres finden in der Schule verschiedene Feste und Veranstaltungen statt, z. B. das Gymnasialfest, Theateraufführungen, Treffen mit interessanten Menschen und viele andere. Die Schüler entwickeln sich sportlich und künstlerisch!
Im Rahmen des Projektes >Wetterstationen< wurde schon ein paar mal das Stück >Der blaue Planet< von Andri Magnason aufgeführt, der selbst auch in Danzig, unweit von hier, zu Besuch war.photo

blekitnaplanetaDiese Aufführung wurde auch als Gastspiel in dem Danziger Archipelag Kultur für die Kinder der Dreistadt gezeigt.

Außer der Beteiligung am Projekt >Wetterstationen< werden auch interessante Bildungsprojekte umgesetzt, wie z.B. Begegnungen mit dem Shakespeare-Theater. Je nach Möglichkeiten machen wir auch Ausflüge, nach denen wir mit neuen Inspirationen in die Hela zurückkommen.

Dadurch, dass wir am Hela-Projekt  teilnehmen, besuchen uns Schriftsteller, die mit >Wetterstationen< verbunden sind. Sie leiten bei uns Werkstätten und stellen Fragen nach der Zukunft unseres Planeten. Die letzte Schriftstellerin, die Hela besucht hat, war Xiaolu Guo aus London.

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Übersetzung Małgorzata A. Bartula