Das Gespräch in Gang halten

Interview am Goethe-Institut London, 18. März 2015

Goethe-Institut: Was muss Ihrer Meinung nach geschehen, um noch mehr Menschen für das Thema Klimawandel zu sensibilisieren?

Mirko Bonné: Mein Eindruck ist, dass die Leute Bescheid wissen. Das Thema der Erderwärmung und des Klimawandels ist in aller Munde. Aber es gibt eine um sich greifende Ohnmacht, eine Hilflosigkeit und Ratlosigkeit. Ich bin mir gar nicht sicher, ob man noch mehr dazu beitragen muss. Und das ist das Vertrackte an dem komplexen Problem – keiner weiß im Grunde, was er eigentlich machen soll.

Goethe-Institut: Sie waren für das Weather Stations-Projekt in Dublin, Melbourne und London. Gab es Unterschiede bei den Publikumsreaktionen?

London. GI. 17.3.15 Mirko Bonné: Einiges, was ich in Melbourne erlebt habe, finde ich in London wieder. Etwas sehr Lebendiges, Junges im Umgang mit unserer Wegwerfgesellschaft. Das merkt man hier sehr deutlich. Bei uns in Hamburg ist dieser bewusstere Umgang mit den Ressourcen und den Materialien noch nicht so stark ausgeprägt. Wenn man genau hinguckt, sieht man überall, dass wir vorsichtiger sein und nicht alles bedenkenlos wegwerfen sollten. Als Autor, speziell als Dichter, muss ich mich dazu erst einmal positionieren. Ich bin ja kein Soziologe und kein Umweltpolitiker. Mir geht es um Sprache. Und insofern weiß ich nicht, was ich dem Thema Klimawandel hinzufügen kann, außer dass ich auf sprachliche Verwerfungen aufmerksam mache. Gestern Abend während der Podiumsdiskussion im Goethe-Institut wurde wieder offensichtlich, welche Abgründe dieses Thema birgt. Die Frage von Jay Griffiths nach dem Ausstellungssponsor Shell und die Reaktion des Ausstellungsmachers Chris Rapley – sehr faszinierend, was da plötzlich für eine Energie auf dem Podium war. Da wurden Dinge beim Namen genannt! Aber das Thema ist grundsätzlich schwierig, weil es kein Gut und Böse mehr gibt, kein Schwarz und Weiß. Und trotzdem müssen wir alle uns dazu verhalten.

Goethe-Institut: War das denn in allen Ländern so oder gibt es Unterschiede bei der Sicht auf den Klimawandel?

Mirko Bonné: In Australien ist es sicherlich ein viel brisanteres Thema. Dort sind die Klimaveränderungen bereits deutlich spürbar, in ganz verschiedenen Regionen. Und dazu kommt eine Regierung, die das Ganze zum Unsinn erklärt und einfach ganze Wälder abholzen lässt. Wenn das so weitergeht, kann man sich vorstellen, wie das Australien in 50 Jahren aussehen wird. Ein verbrannter Kontinent.

Goethe-Institut: Denken Sie, dass sich die Diskussion um den Klimawandel nur in bestimmten Schichten der Gesellschaft bewegt?

Mirko Bonné: Wir reden hier von wahrscheinlich nicht mehr als fünf oder zehn Prozent der gebildeten Schichten. Den Rest der Bevölkerung interessiert es nicht, was mit dem Klima passiert. Und das kann meiner Ansicht nach auch gar nicht anders sein, da die Leute ganz andere Probleme haben! Das wird sich wahrscheinlich ändern, sobald gravierendere Folgen eintreten. Wollen wir es nicht hoffen, aber es scheint unabwendbar, dass schwere Unwetter kommen und viel heftigere Überflutungen und andere Naturkatastrophen eintreten werden.

Goethe-Institut: Wie ist ihr Eindruck aus literarischer Sicht? Wie war es, die anderen Autoren des Weather Stations-Projektes zu treffen und mit ihnen einen internationalen Austausch über das Thema Klimawandel zu führen?

Die Wetterstationen Mirko Bonné: Jeder von uns fünf Autoren arbeitet ganz unterschiedlich. Da gibt es im Grunde keine Gemeinsamkeiten – vielleicht den empathischen Blick auf die jeweiligen Probleme in Irland oder Polen oder auch auf fremde Kulturen und Sprachen. So sind wir alle ähnlich fasziniert gewesen von den australischen Aborigines, die wir kennenlernen konnten oder auch von den Museen, die wir in Melbourne besucht haben, von Landschaften, die uns gezeigt wurden. Aber was wir daraus entstehen wird, ist natürlich ganz unterschiedlich. Der irische Autor Oisín McGann zum Beispiel blickt mit den Augen eines Science Fiction-Lesers auf die Dinge. Ich finde das faszinierend, habe aber ganz andere Ansätze. Wenn ich mit ihm über Gedichte spreche, spüren wir beide die große Bandbreite unterschiedlicher Literaturen. Tony Birch aus Melbourne schreibt zwar selten Gedichte, hat aber wie ich ein eher poetisches Verständnis von der Welt. Auch deswegen, weil er einen indigenous background hat und sich stark mit überlieferten Perspektiven beschäftigt. Das ist mir sehr nah. Man muss die Unterschiede gelten lassen, auch in diesem Projekt entsteht erst dann das Schöne.

Goethe-Institut: Ist Literatur als Kunstform geeignet, um Themen wie dem Klimawandel zu vermitteln?

Mirko Bonné: Nein. Literatur, wie ich sie verstehe, darf sich nicht instrumentalisieren lassen. Ich würde dennoch sagen, es täte jedem Autor, der etwas auf sich hält und die Vielfältigkeit der Welt liebt, gut, sich mit der Problematik zu beschäftigen. Das heißt aber nicht mit der wissenschaftlichen Problematik! Aber sich zum Beispiel mit Schülern zu unterhalten über ihre Ängste oder über ihren Blick auf Natur. Ich würde nicht sagen, dass Literatur, oder überhaupt Künste, dafür besonders geeignet sind. Das Gespräch ist es. Und das Gespräch müssen wir unbedingt im Gang halten. Dazu, wohl nur dazu, ist Literatur verpflichtet.

Foto (1): Jay Griffiths, rechts, und Mirko Bonné während der Podiumsdiskussion mit Chris Rapley am Goethe-Institut London, 17. März 2015 (Fotograf: Magnus Pölcher) (2): Die fünf Wetterstationen (v. l. n. r.) Xiaolu Guo (London), Jas Kapela (Warschau), Oisin McGann (Dublin), Mirko Bonné (Hamburg) und Tony Birch (Melbourne). Interview: Martina Puchberger und Jill Franzmann

Zeiger auf der Uhr meines Lebens

Mit Yeats und Heaney in Tallaght, Islington und Reinickendorf

Mount Seskin, StudentsEs waren mehr als warmherzige Begegnungen. Innerhalb von drei Wochen sprach ich im Februar und März an drei Schulen mit Jugendlichen über zwei Gedichte, die in meinen Augen Bedeutsames über das Verhältnis des Einzelnen zum jeweiligen Klima, in dem sie oder er lebt, und so auch zu den Folgen des Klimawandels zu sagen haben. Es sind die Gedichte „The Meditation of the Old Fisherman“ von William Butler Yeats, das 1889 im Band „Crossways“ erschien, sowie das hundert Jahre später entstandene „A Postcard from Iceland“ von Seamus Heaney. Yeats erhielt den Literaturnobelpreis 1923, Heaney 1995. Rund fünfzig Schülerinnen und Schüler erzählten mir, welche Gedanken und Empfindungen die Gedichte der beiden Iren in ihnen auslösen, und ich hörte ihnen zu und war nicht selten bewegt und verblüfft. Die Schulen, an denen ich die Gedichte vorstellte, sind das Mount Seskin Community College in Tallaght bei Dublin, die Islington Arts and Media School in London und das Romain Rolland-Gymnasium in Berlin.

The Meditation of the Old Fisherman

You waves, though you dance by my feet like children at play,
Though you glow and you glance, though you purr and you dart;
In the Junes that were warmer than these are, the waves were more gay,
When I was a boy with never a crack in my heart.

The herring are not in the tides as they were of old;
My sorrow! for many a creak gave the creel in the cart
That carried the take to Sligo town to be sold,
When I was a boy with never a crack in my heart.

And ah, you proud maiden, you are not so fair when his oar
Is heard on the water, as they were, the proud and apart,
Who paced in the eve by the nets on the pebbly shore,
When I was a boy with never a crack in my heart.

Mount Seskin Jeweils drei Schüler in Tallaght, Islngton und Reinickendorf lasen die Strophen von Yeats laut in der Runde vor. Besonders angetan waren alle Klassen von dem wiederkehrenden Abschlussvers, der einigen wie an den Strand brandende Wogen erschien. Andere waren bezaubert vom Auf-und-Ab, dem „Dünen“ oder „Pulsieren“ des Versfußes, wieder andere erstaunt, wie der alte Fischer am Ende seines Lebens über die Welt und die vielfältigen Dinge denkt: dass alles sich ändert im Lauf der Zeit, Sehnsucht und Liebe aber stets unverändert bleiben. Lange sprachen wir über Verbindungen des menschlichen Gemütes zum Wetter und Klima. Was überhaupt ist Klima, was Wetter, wo liegen die Unterschiede, wie wären sie zu benennen? Besonders Jungen fragten, was gemeint sein könne mit dem „crack in my heart“ – ob es Yeats wirklich, wie es den Anschein hat, allein um Liebe und deren Vergänglichkeit geht. Ich erinnere mich an einen stumm dabeisitzenden Schüler in dem Kunstraum des Mount Seskin Colleges, der den Kopf schüttelte und das Gedicht doch wieder und wieder las, still und für sich. Erst am Ende des Unterrichts nahm er seinen Mut zusammen und erzählte von den Überschwemmungen des Jahres 2014, durch die nach schweren Unwettern und wochenlangen Niederschlägen zahlreiche Vororte von Dublin verheert wurden. „Plötzlich kam da ein Fluss, wo vorher gar keiner war, die Hügel runter und riss die Häuser weg, auch das meiner Großeltern.“
Von einem ähnlich sonderbaren, wenn auch ganz anderen Fluss spricht Seamus Heaney zum Auftakt seines 1987 erschienenen Gedichtbandes „The Haw Lantern“ („Die Hagebuttenlaterne“), dessen Motto lautet: RoRo

The riverbed, dried-up, half-full of leaves.
Us, listening to a river in the trees.

Heaneys Gedicht „A Postcard from Iceland“ begeisterte die Schüler in Tallaght, London und Berlin gleichermaßen. Auf der Stelle wurden Vergleiche zu Yeats’ Strophen gezogen, und vielen fiel sofort auf, dass auch hier lebendige Stimmen von einer verlorengegangenen Verbindung sprechen, wenngleich in anderem, ironischerem Ton:

As I dipped to test the stream some yards away
From a hot spring, I could hear nothing
But the whole mud-slick muttering and boiling.

And then my guide behind me saying,
”Lukewarm. And I think you’d want to know
That luk was an old Icelandic word for hand.“

And you would want to know (but you know already)
How usual that waft and pressure felt
When the inner palm of water found my palm.

IAMS Am längsten diskutiert wurde meine Frage, ob man das von Heaney poetisch dargestellte Empfinden einer unmittelbaren Verbindung zur Erde wohl auch dann habe, wenn die Hand in künstlich erwärmtes Wasser getaucht würde. Unabhängig voneinander verneinten das alle. Seamus Heaneys Gedicht, da waren wir uns einig, erzählt von zwei Gesprächen, einer kurzen Unterhaltung eines Reiseleiters mit einem Islandreisenden, genauso aber von dem Gespräch, das die Natur, die Erde oder die Schöpfung mit jedem führt, der offen und empfindsam dafür ist. „Letztendlich kennen wir diese Sprache des lauwarmen Wassers alle“, sagte ein Schüler in Islington und ebenso eine Schülerin in Berlin. „Schließlich erinnert sich jeder daran, wie es im Mutterleib war – nur kann man das nicht mitteilen.“ Das Klima, in dem ein jeder von uns lebt, gibt uns vielleicht ein ähnliches Gefühl von unbewusster Geborgenheit: „(but you know already)“.
IAMS, Entry Welche Sprache vermag das zu verdeutlichen, und welche die Gefahren, die der Klimawandel in sich birgt? An den Schulen am Rand von drei europäischen Hauptstädten war von Ratlosigkeit nichts zu spüren, dagegen aber viel junger Elan und Neugier, lebendiges Interesse für fremde Standpunkte und eine große Empathie, vor allem aber die Bereitschaft, endlich etwas zu ändern, und zwar nach eigenen, nicht althergebrachten Vorstellungen. Eine fünfzehnjährige Schülerin an der IAMS, der Arts and Media School im Londoner Vorort Islington-Finsbury, fand aus dem Stegreif ein fantastisches Bild für die Überwindung der sich gegenseitig desavouierenden Klimawandeldebatten von Wissenschaft und Literatur: „Die Sprache der Gedichte ist der Minutenzeiger, die der Wissenschaft der Stundenzeiger auf der Uhr meines Lebens.“

William Butler Yeats

Die Gedanken des alten Fischers

Ihr Wellen, ob ihr hertanzt vor mir wie tobende Kinder,
Ob ihr glitzert und glänzt, schnurrend Luft holt oder Schwung –
Der Juni war früher viel wärmer, und die Wellen geschwinder,
Als ich ein Junge war und in meinem Herzen kein Sprung.

Die Heringe sind lang nicht so viele, wie sie’s mal waren;
Mein Kummer! Denn der Korb knarrte bei jeder Lieferung,
So oft hat der Karren den Fang nach Sligo gefahren,
Als ich ein Junge war und in meinem Herzen kein Sprung.

Und ah! stolzes Mädchen, du bist nicht so hübsch, wenn an Land
Sein Ruder man hört, hübsch wie sie, die ungebunden und jung
Abends bei den Netzen vorbeigingen zum steinigen Strand,
Als ich ein Junge war und in meinem Herzen kein Sprung.

(Aus dem Englischen von Mirko Bonné)

Seamus Heaney

Eine Postkarte aus Island

Als ich kurz ins Wasser griff, nur ein paar Meter
Von einer heißen Quelle, konnte ich gar nichts hören
Außer dem ganzen schlammigen Geblubber.

Und dann den Führer hinter mir, der sagte:
„Lauwarm. Und es wird sie interessieren,
Daß lau auf altisländisch ,Hand’ bedeutete.“

Und dich wird interessieren (doch du weißt es schon),
Wie alltäglich dieser gehauchte Druck sich anfühlte,
Als die innere Hand des Wassers meine fand.

(Aus dem Englischen von Giovanni Bandini und Ditte König)

*

Fotos: Schüler des Mount Seskin Community College (1), Oisin McGann vor der Mount Seskin-„Substation“ (2), das Romain Rolland-Gymnasium (3), Schüler der IAMS (4), der Eingang zur IAMS in Islington. Nicht weit entfernt, in Finsbury, ging John Keats zur Schule. Am Eingang die vier Leitbegriffe: „Confidence Aspiration Reflection Respect“ (5)

Betrachtungen über ein interessantes Zeitalter

mangrovesÜbersetzt von Rebecca DeWald

Was für eine Art von Geschichte erzählt uns der Klimawandel?

In der Renaissance waren großartige Künstler meist gleichzeitig großartige Wissenschaftler, wie Leonardo da Vinci oder Michelangelo. Große Herrscher des Ostens hingegen waren meist gleichzeitig Dichter und Künstler. Im letzten Jahrhundert, als der Kapitalismus schrittweise die Obermacht gewann und dabei andere Gesellschaftsformen verschlang, begannen Kunst und Wissenschaft, sich immer weiter voneinander zu entfernen.

Der Wettbewerbsdrang der Industrieländer hat Künstler und Wissenschaftler in die zunehmende Spezialisierung getrieben und dafür gesorgt, dass die Spaltung in Europa und den USA auffälliger ist als in anderen Teilen der Welt. Schriftsteller wurden folglich immer selbstgefälliger und Wissenschaftler immer nüchterner und unverständlicher.

Wir befinden uns nun aber an einem Wendepunkt: Der Klimawandel scheint Kunst und Wissenschaft endlich wieder an einen Tisch zu bringen. Bei der zweitägigen „Weatherfronts“-Konferenz, die TippingPoint im Londoner Free Word Centre im Juni veranstaltet hat, kamen 100 Schriftsteller, Dichter, Wissenschaftler und Politiker zusammen, um Kultur und Politik intensiv zu diskutieren. Als Schriftsteller habe ich noch nie ein derartiges Zusammentreffen der literarischen und wissenschaftlichen Welt erlebt.

Das ebenfalls von Großbritannien ausgehende Dark Mountain Project, dessen Hauptsitz etwas außerhalb des englischen Oxford liegt, hat in intellektuellen Kreisen bereits große Wellen geschlagen. Die Gruppe hat ein wunderbares Manifest veröffentlicht, in welchem das Verhältnis zwischen unserer selbstbezogenen Literaturwelt und der Zukunft der Menschheit in einer selbstzerstörerischen Konsumgesellschaft im Mittelpunkt steht. Dabei wird Ralph Waldo Emerson, ein amerikanischer Intellektueller des 19. Jahrhunderts, mit den Worten zitiert: “Die Menschheit wird schließlich an der Zivilisation zugrunde gehen.” Hierin spiegelt sich das Problem unserer Zeit wieder, dem Zeitalter des Anthropozän*.

Eine aktuelle Studie ergab, dass die kommende Generation in Großbritannien aufgrund der Auswirkungen unserer Lebensmittelindustrie und der starken Verschmutzung unserer Nahrungskette kürzer leben wird als ihre Eltern. Das Schlimmste daran ist, dass unser derzeitiges Wirtschaftssystem sich selbst als die Lösung all unserer Probleme verkauft und Politiker uns dieselbe Idee unterjubeln wollen, während Wissenschaftler darauf beharren, dass die Zukunft alles andere als gewiss ist — ganz zu schweigen von einer Zukunft jenseits der menschlichen Welt. Den Verantwortlichen, die die Macht über das immer engmaschiger werdende Netz des Kapitalismus haben, ist die Botschaft der Wissenschaftler egal. Unsere einzige Zukunft liegt also jenseits der Welt der Großunternehmen.

Es gibt aber auch noch Grund zur Hoffnung. Meine Reise vor Kurzem nach Australien, insbesondere zum Great Barrier Reef, hinterließ mehr als Urlaubserinnerungen. Die ausgebleichten, sterbenden Korallen, die wir Schriftsteller im Meer schwimmen sahen, stimmten uns trübsinnig. Doch eine Gruppe Wissenschaftler aus Sydney und Melbourne erklärte uns, dass sich die Korallen bis in zehn Jahren weiter südlich ausgebreitet und sich an den Stränden Sydneys und Melbournes im Überfluss angesiedelt haben werden. Die Wissenschaftler sagten dazu: „Die Natur hat ihre ganz eigene Art, sich im Laufe der Zeit an das Ökosystem anzupassen, und es gibt dabei stets Faktoren, die zu ganz und gar unvorhergesehenen Ergebnissen führen.” Diese Worte trösten mich nicht gerade, sondern erscheinen mir eher als eine geheimnisvolle Botschaft, die uns nötigt, uns dringend zu öffnen und an das Blaue jenseits unserer banalen Realität zu denken.

Im Hier und Jetzt sehe ich mir unser eingeschränktes Städtedasein an. Obwohl wir von schnellen Autos und Ampeln umgeben sind, gibt es immer noch viele Naturliebhaber in den Groß- und Kleinstädten — Naturliebhaber wie mich. Ich bin dankbar für jene, die die Natur in den Wäldern des Amazonas anbeten; ich mag die Geschichten der australischen Aborigines, ihre gesungenen Traumpfade und ihre Kenntnis aller Wasserwege ihres Wohnraums; und ich freue mich, dass eine Feministin ein Stück Regenwald auf der südlichen Halbkugel gekauft hat, um dort hunderttausende Bäume zu pflanzen. Wenn es uns noch möglich ist, die Natur wahrhaftig — oder, anders ausgedrückt, intensiv — zu lieben, dann glaube ich nicht, dass unsere Welt stets so verkorkst bleiben wird, wie sie es derzeit ist.

*Anthropozän: Unser derzeitiges geologisches Zeitalter, dass sich durch den Einfluss der Menschheit auf das Ökosystem unseres Planeten auswirkt.

Entschuldigung: hier steht noch nichts

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