Wasser und Cricket passen einfach nicht zusammen

„Hey Tom, hol den Ball“, ruft Jack. Also rennt Tom zögerlich dem davonrollenden Ball nach und sie setzen in ihrem Heimatort Renmark ihr Cricketspiel fort. Jack läuft an und wirft den Ball schnell und zielgenau Richtung Mülltonne, aber Tom schwingt den Schläger und trifft den Ball so, dass er in den Fluss fliegt. Beide sind unzufrieden und wünschten, der Fluss wäre nicht da. Zum Glück fällt es ihnen nicht allzu schwer, einen neuen Ball zu finden. Später sagt Tom zu Jack: „Wasser und Cricket passen einfach nicht zusammen“, und Jack stimmt resigniert zu.

Die Jungs machen Pause und gehen hinunter zur Milchbar, um sich eine Pastete und eine Schokomilch zu holen. Beide sitzen am Fluss und sind damit beschäftigt, ihrem Ball beim Davonschwimmen zuzusehen und ihre Pasteten zu essen. Später fangen sie wieder an zu spielen, und nach und nach macht beinahe ihr ganzer Schuljahrgang mit. Der Kampf um einen Schläger wird heftiger, und die Lücken auf dem Spielfeld zu finden ist beinahe unmöglich. Sie spielen weiter und erfinden ständig neue Regeln, um das Spiel am Laufen zu halten. Das Spiel geht weiter, bis alle zum Abendessen nachhause gerufen werden; zu diesem Zeitpunkt ist es bereits so dunkel, dass es sowieso keinen Sinn gehabt hätte, weiterzuspielen.

In der Schule organisieren Tom und Jack am nächsten Tag ein großes Cricketspiel auf dem örtlichen Spielfeld, das später am selben Abend stattfinden soll. „BBRRIINNGGG“ klingelt die Schulglocke, und alle eilen direkt nachhause, um ihre Lieblingsschläger hervorzuholen. Um vier Uhr sind etwa 20 spielbereite Jungs da, und Tom hat es sogar geschafft, einen Schiedsrichter aufzutreiben (seinen jüngeren Bruder). Nach jeder Menge Diskussionen stehen die Teams endlich fest und man einigt sich auf 2 Kapitäne, nämlich Tom und Jack.

Das Spiel beginnt und Jacks Team bowlt zuerst. Toms Team legt einen guten Start hin und erreicht schließlich ein Gesamtergebnis von 56 in 10 Overs, was gar nicht so schlecht ist. Jacks Team fängt an zu schlagen und hat mit 8/15 in 5 Overs einen schlechten Start. Jack kommt aufs Feld und arbeitet gut mit Max zusammen, und nun benötigen sie nur 6 aus dem letzten Over. Max ist am Strike, kann aber die ersten vier Bälle nicht treffen. Alle sind jetzt nervös. Max trifft endlich einen Ball und sie laufen los. Tom fängt den Ball und wirft dann die Stäbe um, während Max definitiv außerhalb der Schlaglinie ist. Nur ein Ball ist noch übrig; Jack ist am Strike und sie brauchen immer noch 6 Runs, um zu gewinnen. Der Bowler läuft an and bowlt einen Full Toss, Jack trifft und es sieht aus, als würde der Ball über die Spielfeldgrenze fliegen, aber jemand fängt ihn. Wegen der unklaren Spielfeldgrenze ist es schwer zu sagen, ob er ihn außerhalb gefangen hat. Alle löchern nun den Schiedsrichter, der nur fragt: „Was ist passiert?“ Nach langen Diskussionen wird das Spiel als Unentschieden gewertet. In der Schule wird das Spiel am nächsten Tag von Spielern beider Teams zum besten Spiel erklärt.

30 Jahre später

„Wann sind wir endlich da?“, fragt James. „Bald“, antwortet Tom, während sie den Freeway entlangrauschen und sich dem Ende der langen Fahrt von Melbourne nähern.

„Wann sind wir endlich da?“, fragt Mitch. „Bald“, antwortet Jack, während sie vom Freeway auf derselben Strecke abfahren wie Tom und James.

Zwei Autos halten direkt vor dem Flussübergang an. „Hey Tom“, ruft Jack. Tom blickt sich um und springt sofort aus dem Auto, um Jack zu begrüßen. Die beiden Jungs James und Mitch hüpfen ebenfalls aus dem Auto. „Ich kann das Cricketspiel kaum erwarten“, sagt James. „Ja, mein Papa sagt, das ist das beste Spielfeld“, antwortet Mitch. Die Jungs ziehen los, um sich umzusehen.

„Es tut gut, wieder hier zu sein“, sagt Tom. „Ja, der Fluss kommt mir breiter vor als in meiner Erinnerung“, antwortet Jack. „Mir auch“, stimmt Tom zu. „Ich erinnere mich, dass er über die Ufer getreten ist, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so extrem war.“ „Was ist der Murray-Golf?“, ruft Mitch. „Was, der Murray-Golf?“, rufen Tom und Jack zurück. „Ja“, antworten beide Jungs. Tom und Jack gehen zu ihnen hinüber und sehen ein großes offizielles, aber provisorisch wirkendes Schild mit der Aufschrift „Murray-Golf“. Beide schauen sich verwirrt an. Entgegenkommende Autos blinken sie an, als wollten sie ihnen etwas mitteilen. Sie fahren an einem Schild vorbei, das mit dem am Fluss identisch ist, auf dem die Worte „Murray-Golf“ stehen. Schilder warnen sie davor, dass die Straße bald endet. Sie können es nicht glauben, bis sie die Absperrungen sehen. Sie halten an, springen aus dem Auto und sehen wieder das „Murray-Golf“-Schild.

Jemand in offizieller Uniform kommt auf sie zu und fragt, ob alles in Ordnung ist. Sie bejahen dies, fragen aber, warum die Straße gesperrt ist. Er antwortet: „Haben Sie es nicht mitbekommen?“ Tom sagt verdutzt: „Nein.“ Der Mann antwortet: „In der Gegend hat es massive Überschwemmungen gegeben. Dann wurden die Leute letzte Nacht von den Fluten aufgeweckt und plötzlich stand die ganze Gegend unter Wasser. Wir haben die Ursache noch nicht gefunden und wissen auch nicht, wie groß das betroffene Gebiet ist. Für den Moment riegeln wir nur die Gegend ab, so dass Sie leider umkehren müssen.“

Sie kehren um und mieten ein Zimmer für die Nacht. Später am Abend gibt es eine Eilmeldung mit der Schlagzeile „DIE POLKAPPEN SCHMELZEN“. Dann wird diese Karte eingeblendet:

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„Was man zunächst nur für eine Sturzflut hielt, wurde jetzt als Schmelzen der Polkappen identifiziert. Dies hat einen massiven Anstieg des Meeresspiegels verursacht, der große Teile Australiens überschwemmt hat, darunter auch Orte wie Renmark und den Hafen von Adelaide. Die neuen australischen Meere erhielten die Namen ‚Murray-Golf‘ und ‚Artesisches Meer‘. Das ist für den Moment alles, wir bringen später einen ausführlicheren Bericht.“

Alle im Zimmer sind baff und starren sich sprachlos an. Tom sagt wieder einmal: „Wasser und Cricket passen einfach nicht zusammen“, und Jack stimmt resigniert zu.

 

– Elijah / Footscray City College Substation

Aus dem Englischen übersetzt von Elisabeth Meister

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