Wie wäre es, wenn…?

Text von Gina, Romain-Rollan-Gymnasium

Es war ein ganz normaler Tag. Eine Weile dachte ich zumindest, dass der Tag genauso verlaufen würde wie jeder Tag. Bald wusste ich, wie falsch ich da lag.
Wenn ihr euch fragt, wer ich bin: ich heiße Kate und bin 16 Jahre alt. Vor ein paar Tagen hatte ich ein ganz normales Leben als Schülerin, aber seit gestern hat sich alles verändert…

Wie immer bin ich um 7 Uhr aufgestanden, habe mich angezogen, bin zur Schule gegangen und war beim Französisch-, Mathe- und Chemieunterricht, alles nicht so sonderlich interessant.
Dann bin ich zum Klassenzimmer, wo wir Englischunterricht haben (ja, ich weiß, genauso langweilig wie der Anfang des Tages), aber als ich den Raum betrat, stockte mir kurz der Atem und mir fiel die Kinnlade runter.
Ich befand mich mitten im Regenwald. Ja, ihr habt richtig gehört, im Zimmer waren Bäume und Kletterpflanzen. Ich habe mich gefragt, ob ich noch in unserem Klassenzimmer war.
Auf einmal hörte ich eine Stimme neben mir, die sich sehr überrascht anhörte, und als ich mich umdrehte, sah ich meine beste Freundin Lucie. Zumindest war ich nicht mehr alleine in dieser verrückten Situation.
“Was geht hier vor?“, fragte sie etwas gereizt und ich musste zugeben: „Glaub mir, Lucie, ich würde gerne genau das gleiche wissen, aber ich habe überhaupt keine Ahnung.“
“Was machen wir denn jetzt? Können wir nicht einfach wieder aus der Tür rausgehen?“, wollte sie wissen. Eine gute Frage!
Es war so heiß und schwül, ich konnte mich kaum konzentrieren. Ich sagte mir: „Komm, keine Panik jetzt! Du bist irgendwie hierher gekommen (wo auch immer ich war, wusste ich auf jeden Fall, dass ich nicht mehr in unserer Schule war), du kannst genauso gut wieder zurückkehren. Ich muss nur herauskriegen wie.“
Mit lauter Stimme antwortete ich: „Ich weiß es nicht, aber wir können es versuchen.“ Und ja, wir versuchten zurückzugehen, aber schon kam der nächste Schreck: die ganze Schule war mit allen möglichen Pflanzen überwachsen. Wir sind schnell in unser Klassenzimmer, beziehungsweise das, was es früher mal war, zurückgekehrt.
“Und jetzt?” “Wir können nicht einfach hier bleiben und warten. Lass uns gucken, wie wir die Lage besser überblicken können“, antwortete ich und versuchte dabei, nicht zu ahnungslos zu klingen. Wir sind an einem riesigen Busch entlang gelaufen, wo die Wand hätte sein müssen, und kamen zur Fensterseite hin, wo nun eine gigantische Kletterpflanze stand. Ich folgte meinen Instinkten, zog an der gummiartigen Pflanze und konnte ein paar von ihren Ranken aus dem Weg räumen. Zu unserer Überraschung schauten wir plötzlich aus einem Fenster heraus, ja, ein Fenster mitten im Dschungel!
Wir guckten einander an, die Verwirrung stand uns beiden ins Gesicht geschrieben. Wir waren aber noch verwirrter, als wir auf einmal ein seltsames Geräusch hörten.
Stotternd fragte Lucie: „Hörst du das? Das unheimliche Brüllen?“ Natürlich konnte ich es hören, es war nicht zu überhören. „Es kam von hinter dem Fenster“. Wir schauten aus dem Fenster, aber da war nichts. Na ja, eigentlich konnte man doch etwas sehen, irgendetwas, was uns bekannt vorkam. Auf den zweiten Blick erkannten wir unsere Schule, viel grüner als sonst mit den ganzen Pflanzen wie auch unser ehemaliges Klassenzimmer, aber genauso angelegt wie unsere Schule. „Wie ist das möglich?“, flüsterte ich Lucie zu, die zustimmte: „Ja, wenn das unsere Schule ist…“, aber sie hatte keine Zeit zu Ende zu sprechen. Direkt vor uns stand ein Wesen, das ich in meinem ganzen Leben nie gesehen hatte. Ich kann es nicht mal beschreiben. Es sah aus wie ein Tiger, hatte allerdings lange Stoßzähne und den Panzer eines Gürteltiers. Nach dem ersten großen Schock sah ich mit Erleichterung, dass das Fensterglas noch zwischen uns und dem Wesen stand.
Aber dann versuchte es, sich durch die Pflanzenwand durchzuschlagen und wir bekamen beide erneut große Panik. Wir hörten, wie die Krallen die Pflanzen und das Mauerwerk entlang kratzten, ein penetrantes, beängstigendes Geräusch. Mir sträubten sich die Nackenhaare.
Was sollten wir machen? „Kate, wir müssen zurück.“ „Ja, ich weiß, zurück in unsere Zeit.“ Als das unheimliche Wesen direkt vor uns erschien, hatte ich einen Geistesblitz. Wir waren zwar noch in unserer Schule, aber offenbar lange Zeit nachdem, wir eigentlich zur Schule gingen. Es mag seltsam klingen, aber wir waren in der Zukunft, es gab keine andere Erklärung. „Wie bitte?“, fragte Lucie erstaunt. Ich versuchte zu erklären: „Ja, wir müssen in der Zukunft sein. Es gibt keine andere Erklärung. Ich denke, als wir durch die Tür reinkamen, gingen wir durch einen Zeitportal.“ „Das ist doch ein Witz!“ „Nein, leider nicht.“ „Und wie kommen wir denn zurück in unsere Zeit?!“ In dem Moment sahen und hörten wir mit Entsetzen, wie das Wesen die aus Pflanzen bestehende Wand beinahe durchbrach, bis es letztlich die ganze Überwucherung durchdrang mit einer schaurigen Schrei. Es kam nun direkt auf uns zu. Jetzt schien alles wie in Zeitlupe zu geschehen. Ich packte Lucie am Arm und zog sie mit zur Tür, das Monster direkt auf unseren Fersen, ich konnte sogar seinen Atem im Rücken spüren. Dann plötzlich war alles weg, sowohl die Pflanzen als auch das Wesen, und wir waren zurück, zurück in unserer Zeit und unserer Schule.
“Wie hast du das gemacht?“, fragte mich Lucie bestürzt. „Na ja, ich habe mich einfach daran errinert, dass in dem Moment, wo alles losging, ich mich gefragt hatte, wie die Schule hier in 50 Jahre aussehen würde, und offensichtlich bekam ich diese Antwort. Die Pflanzen und die Tiere würden diesen Ort wiedererobern und nur die Menschen würden die Harmonie stören können. Dann dachte ich einfach an unserer Zeit in der Schule und fragte mich, wie es wäre, wenn wir nicht mehr da wären, und dann ging ich durch die Tür.“
“Das heißt, du kannst überall in der Zeit herumspringen, indem du dich einfach fragst, wie es wäre, wenn?“ „Anscheinend…“ „Dann können wir froh sein, dass du dir die richtige Frage gestellt hast!“

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