Die Kunst der Erwiderung

Erzähl es den Bienen. Australisches Journal 8

Ausgelöscht wurden im Verlauf der in Australien sogenannten Black Saturday Bushfires die im Yarra Valley gelegenen Ortschaften Kinglake und Marysville. Im Nachbarort Lilydale gibt es ein kleines Museum, das mit seiner Daueraustellung „The Art of Response“ an die Brände vom 7. Februar 2009 erinnert. Exif_JPEG_PICTURE Hundertdreiundsiebzig Menschen starben in den Feuern, mehrere tausend verloren ihre Häuser, unzählige Tiere kamen um, und ganze Landstriche, ehemals dicht bewachsen, unter anderem mit nicht selten Jahrhunderte alten Mountain Ash-Bäumen, die aufgrund ihrer Öle wie Zunder brennen, wurden von den über die Hügel hinunter ins Yarra-Urstromtal rollenden mehrere hundert Meter in den Himmel reichenden Flammenwalzen dem Erdboden gleichgemacht und ausgemerzt.
„Die Kunst der Erwiderung“ ist auch deshalb sprechender Titel der Ausstellung, weil sie den Arbeiten lokaler Künstler und Schüler bewusst Vorrang gibt. Das Feuer muss von so unvorstellbarer Gewalt gewesen sein, dass die Menschen, die die Katastrophe von Kinglake und Marysville miterlebten, nur noch sich selbst und ihrem engsten Umfeld zutrauen, dafür Worte oder Bilder zu finden. Alter, Beruf oder Bildungsstand spielen dabei keine Rolle. Das Ausmaß des Traumas, des einzelnen wie des kollektiven, wird so auf erschütternde Weise vorstellbar. Denn das Trauma ist Teil des Feuers, es schwelt im Innern weiter, es lodert im Stillen. Exif_JPEG_PICTUREDie Gegenstände, die den Flammen ausgesetzt waren und im Museum von Lilydale gezeigt werden, sind so verstanden nicht nur mit Erinnerungen behaftet, sondern zudem wohl die getreuesten Abbilder eines Gemüts, für das der Schwarze Samstag von Kinglake und Marysville unvergesslich bleibt.
Wie eine mit Flugasche gesprenkelte Teekeramik steht ein Gartenzwerg in einer Vitrine. Auf halbe Größe zerschmolzene Flaschen, in der über tausenddreihundert Grad heißen Luft krumm gebogene Gläser und zu Klumpen verbackene Vasen werden ausgestellt. Das wie zu einem Blechballon aufgeblähte Gehäuse einer Kamera der Marke Canon ist mit feinem grauen Aschesand gefüllt. Ich lese, dass der Fotoapparat einer Frau gehörte, die sich vor den Flammen zu retten versuchte, indem sie in ihrem Garten in den Trinkwassertank stieg.

Fotos: Yarra Ranges Regional Museum, Lilydale, Victoria

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