Poetry Slam workshop mit Jan Kapela

1.

Erderwärmung, Klimakatastrophe,
Alles wie ein großer Ofen.
Wir verbrennen Erdöl, wir verbrennen Kohle.
So zerstören wir Europa, Deutschland, Polen.

Klimawandel, Erderwärmung,
Wie geht´s weiter – keine Ahnung.
Bald schon kocht der Ozean –
Wasser kommt nur aus dem Wasserhahn.

Wenn wir zusammenarbeiten – Wetten? –
Können wir vielleicht doch noch die Erde retten,
Filter in Kamine installieren,
über Grenzen hinweg kooperieren.

Mülltrennung, Verwertung sind tolle Sachen,
Wenn wirklich alle dabei mitmachen!

2.

Erderwärmung, Klimakatastrophe,
Alles wie ein großer Ofen.
Wir verbrennen Erdöl, wir verbrennen Kohle.
So zerstören wir Europa, Deutschland, Polen.

Wir wollen nicht mehr CO2,
Das Fieber geht sonst nicht vorbei.
Hochwasser, Dürren, das wird sich nicht bessern –
Die Fische verrecken in den Gewässern.

Pflanzt einen Baum, schließt die Fabrik,
Das ist so gut wie gute Musik.
Plastikflaschen und Methan vom Vieh
Machen uns kaputt wie nie.

3.

Erderwärmung, Klimakatastrophe,
Alles wie ein großer Ofen.
Wir verbrennen Erdöl, wir verbrennen Kohle.
So zerstören wir Europa, Deutschland, Polen.

Lieber aktiv sein, durch die Gegend stampfen
Als zu Hause Rindfleisch mampfen.
Lieber öfter das Fahrrad benutzen
Als mit Fluppen die Atmosphäre verschmutzen.
Wir können die Luft noch sehr gut gebrauchen,
Der Mensch muss atmen – nicht rauchen.

Das Ozonloch ist eine Gefahr für die Erde
Wie das Methan aus den Rinderherden.
Wir müssen der Luftverschmutzung den Kampf ansagen,
Dürfen sie nicht einfach wie eine Sucht ertragen.
Wir müssen unser Wasser sauber machen
Und nicht in Plastikflaschen packen.

Übersetzung SineQuaNon

Der unverständliche Himmel

Wetterbeobachtungen

Then felt I like some watcher of the skies
When a new planet swims into his ken
John Keats

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April
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Apr
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A
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2. April
Nach einem überaschend kühlen Tag, erst dunstig und feucht, dann trocken, windig, ist die Wärme zurück: dieser verfrühte, beseligende März- und jetzt Aprilsommer. Wenige dunkelblau schattierte Wolken wie langsame Fische im blassblauen Himmelsaquarium; noch immer die weiten Räume fürs Blickfeld. Denn die Bäume knospen zwar, sind aber immer noch unbelaubt, zögerlich, können die Wärme nicht glauben oder ihr so früh, so rasch nicht nachkommen. Vorfrühlingskalt die Vormittage, Mittage wie im Mai, Juni am Nachmittag. Ehe dann die durchdringende Abendkühle kommt, die frösteln macht und die Vögel in ihre Verstecke treibt. Also lebt sie weiter – die erste Mücke, heiter, neugierig, Blitzchen.

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3. April
Gespräch im Bus, die Leute in T-Shirt, Hemd, Bluse, Sommerkleid: „Solche herrlichen Tage. Aber richtig genießen kann ich sie nicht, ich denke immer: Das ist der Klimawandel. Und manchmal …“, das junge Mädchen lacht, „… ach, schöner Klimawandel.“ Als ich dann ausstieg, traf mich der würzige Duft nach sommerlicher Erde wie ein Schlag. An täglich satter grünen Hecken entlang ging ich heim, im Gesicht leichten Wind aus Osten, unter wolkenlosem Himmel. Ein rosiger Lichtschimmer am frühen Abend. Das innere Australien beginnt. In drei Wochen werde ich in Melbourne sein. Freunde sprechen Mut zu, ich solle ohne Sorge sein, schon des Lichts wegen.

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4. April
Mit einem Mal, über Nacht, ist es so, wie wir in Hamburg es kennen: kühler, grauer April, grausamster Monat, weil der Frühling schon durch Mark und Bein geht, plötzlich dicke Tropfen, heavy rain, a Starnberger See coming down, stundenlanges Prasseln, und wenn ich nach den sonnigen Wochen auch gelassen bleibe, die Sonne im Innern habe, I got sunshine in my stomach, so bin ich doch verwundert, nein immer wieder verstört, sagten die Meteorologen doch ein ganz anderes Wetter voraus, eines, das ausbleibt, das ich aber gern erlebt hätte: einen warmen Südwind, der angeblich Sandstaub aus der Sahara mit sich führt und für einen Gelbschimmer am Himmel sorgt – die Wettervorhersage ist eine Erzählung, weniger spekulativ als vielmehr fiktiv, unsicher und haltlos, daher Sicherheit vorgebend und suchend, tastend nach Halt. Den es nicht gibt.

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5. April
Dreißig Stunden Regen haben dafür gesorgt, dass aus zaghaftem Knospen und Aufbrechen allenthalben ein vielfältig grünes Strotzen geworden ist. Die Vögel, ich wusste es immer schon, sie sind in Wahrheit Fische, die Meise Makrele, die Amsel Aal, die Drossel Dorade. Sie alle wollen vernünftig sein, sind es zum Glück aber nicht und schnellen durch die nasse Luft. Und der ausgetrocknete Boden saugt schmatzend das Wasser auf. Wie schön. Der Himmel schiebt Wolke auf Wolke wie ich Wort an Wort. „Dünnes Land, die Schwebe haltend und / das tragende Wasser tragend, die Vögel / sind ja nicht schwer. / Der Deich führt in die Regenhalle“, schreibt Nicolas Born.

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7. April
Im Oberallgäu die schmutzigen Schneereste auf den Berghängen wie Krüppelgletscher, und in der Ferne leuchten die weißen Alpen durch den weithin wolkenlosen Tag. – Butterblumen-, Dotterblumen-, Löwenzahnwiesen, ein schon viel saftigeres, satteres Grün. Auch in Augsburg ist anscheinend bereits Sommer, das Leben auf den Straßen in vollem Gang, aber wo und wann wäre es das nicht. Hellgrün, licht, fast durchsichtig sind die Kuppeln der Bäume am Stadtgraben. (Immenstadt, Augsburg)

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8. April
Der angekündigte Temperatursturz um bis zu zehn Grad ist ausgeblieben – oder eingetreten in abgemilderter Form. Warum können die das nicht vorausberechnen? Oder gehen sie von Daten aus, die keine Grundlage mehr haben? Grundlage worauf? Bestimmt können sie ihr Danebenraten exakt erklären. Nachts den Regen bei aufkommendem starken Wind dürfte es gar nicht geben, dicht verhangen der Himmel, aus dem verwirrend warmer Wind weht. „Wenn es grau ist, soll es regnen“, sagt der Taxifahrer, „daran stört sich kein Mensch“, und ein vorbeigehendes Kind: „Es ist so warm, ich schwitze mir einen Ast.“ (Augsburg)

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9. April
Wolken.8.April.1Nordwind über dem Kinzigtal, den ganzen Tag am Himmel ein großes Wolkenspektakel. Bauchige, gezackte, bucklige fahlweiße Wolken weit droben, darunter hinströmend ein tiefschwarzes, unten plattes, oft turmartig ins Blau ragendes Gewölk. Bestimmt hat die Wissenschaft Namen dafür, um sie zu sortieren, zu kategorisieren, wiedererkennbar zu machen und einzustufen als harmlos, nützlich, was immer. Vielleicht Stratocumuluswolken. Unberechenbar und flüchtig, wie das Wesen der Dichtung, jedes Wesen. Gedichte könnten auch Wolken, jeder Gedichtband könnte „Stratocumuluswolken“ heißen. Wolkenpferde. Gegen Abend schickt die sinkende Sonne gleißendes Licht durch alle Löcher und Ritzen in dem ganzen Wasserdampf, dem ganzen Nichts. (Offenburg) Bild: Juliette Aubert

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11. April
„Das ist die burgundische Pforte“, sagt der Imker und pensionierte Dorfschullehrer zu mir und meint den Ursprung des warmen Tages, des strahlenden Lichts über dem Markgräfler Land. „Zwischen Schweizer Jura und Vogesen die schmale Passage – dort hindurch kommt der spanische Wind.“ Bei leichtem Föhn kann ich in der Ferne den Säntis sehen. Zwei Tage lang ein freundliches Himmelhellblau. Auffallend breit aufgefächerte Schleierwolken, die sich zussamentun und breiter und breiter werden mit sie kreuzenden Kondensstreifen. Der Imker erzählt von der Milbenpest, eingeschleppt von der Kamtschatkabiene, Versuchstieren eines biologischen Instituts. Er erzählt von Blattläusen und Ameisen und davon, wie die Bienen auf sie achten – die Poesie der Bedeutungen in der Sprache der Imker. Krieg, sagt er, gebe es nicht unter Bienenvölkern, „aber erbitterte Räubereien mit weitreichenden Folgen. Dieses zauberhafte Wetter ist gut nicht nur für uns, auch die Biene schätzt es.“ (Jestetten)

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13. April
Im äußersten Südwesten war Sommer, 23 Grad, als ich zurück nach Norden fuhr, und stündlich wurden die Wolken dichter, das Licht trüber, und ging die Temperatur zurück. In Hamburg 12 Grad, Nieselregen, kühler Westwind, keine burgundische, eine atlantische Pforte ist das Elbtal. Binnen einer Woche ist der Frühling weit vorangerückt, die Kahlheit verschwunden, das Blühen einem Sprießen gewichen. Everything’s gone green. Noch immer fluten mächtige Wolkengetüme ostwärts über Stadt und Strom, Wolken wie Krähen, die laut wirken, aber seltsam stumm sind. Die Wettervorhersage spricht von wechselhafter Witterung und hält sich damit alles offen. Das immerhin spiegelt der Himmel wider, Mitte April, alles scheint möglich. (Baden-Baden – Hamburg)

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16. April
Der Reichtum des April! Sonne, Wind, die Winterkälte, die Maiwärme, Knsospen, Frieren, weite Stille, Nähe, die tschilpt. Wolkenlose Nächte bringen dir Nachtfrost, du deckst die Balkonpflanzen wieder ab, und am Morgen sitzen zitternd Hummeln auf den Töpfen. Du im dünnen Mantel deiner Zuversicht gehst bibbernd hinauf ins Dorf, Kinder spielen auf den Straßen und Wiesen, und während du in der Post am Schalter wartest, halten finstere Wolken über der Kreuzung und zerbesten. Vorgestern vier Hagelschauer, und dunkelblau-violette Abendhimmel mit vereinzelten Sternen. Tags turnen die Kinder an den Spielgeräten – und kommen heim mit eisigen Händen. „Zausflaum“ nennt Hopkins, nennt Waterhouse die weit und breit aufgefächerten Wolken. Ein Kondesstreifen streicht sie durch.

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20. April
Der Flieder blüht. Durch die Gezweige im Garten flattert die erste Wacholderdrossel. Nach ein paar kühleren Tagen mit feuchtkalter Luft und beißendem Westwind kündigt sich zu Ostern ein schöner Mai an. Vorausgesagt sind für kommende Woche sommerliche 27 Grad – die ich nicht erleben werde. Morgen fliege ich über Abu Dhabi nach Melbourne, in den südaustralischen Frühherbst. Ein zu allem bereites Grün auf den Wiesen, im Hamburger Gras. Die Leute im Freien – freie Leute. In der Luft hängt der Holzrauchgeruch der Osterfeuer, und die Farbe der Nacht schwankt zwischen Tiefblau und Lila, beinahe Purpur. „Kein Kind mehr wach. Kein Vogel im Himmel“, schreibt Peter Handke in „In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus“. „Dafür war dort eine Wolke, eine grauweiße große Haufenwolke, am oberen Rand vielfach gebuckelt, die langsam nach Osten zog, wie auf Wallfahrt; als wallfahrtete sie. Es hätte auch nach Westen sein können, und es hätte auch am Morgen sein können.“ Was das Wetter in der Poesie ist, vollzieht sich ab diesem „Dafür“. Auf, nach Australien, meinetwegen!

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21. April
Wie viele tausend Kilometer bin ich über den Wolken geflogen, über Budapest, Bukarest, Ankara, Beirut, Baghdad, Kuwait und Bahrain nach Abu Dhabi? Keine zwanzig Meter ging ich dort im Freien von der Gangway zum Shuttlebus. In der Dunkelheit auf dem Rollfeld schwamm das Kerosin in der 30 Grad heißen Luft. (Abu Dhabi)

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