Wetterbeobachtungen vom 1. April 2015

SINGAPUR, SINGAPUR

Als wir aufwachten, erblickten wir blauen Himmel.

Wir gingen hinaus und genossen die Hitze auf unserer Haut.

Wir waren dankbar für die einzelnen weißen Wolken, die ihre Schatten warfen. Je später es wurde, desto dunkler wurde es auch. Nach wenigen Stunden war das helle Blau durch ein dunkles Grau ersetzt. Wir spürten wie es immer drückender wurde und nasser. Ein heftiger Regen, der jedoch von kurzer Dauer war, versuchte die Umgebung abzukühlen – vergeblich. Am Horizont sah man helle Blitze, die ihre Lichter um sich warfen, gefolgt von lautem Donner. Dieses windige Gewitter brachte ein bisschen Geschwindigkeit in die ruhige Umgebung, war jedoch nach einer halben Stunde weitergezogen. Abends wehten nur noch warme angenehme Brisen durch die Palmen und entfernten die letzten Tropfen von den Blättern.

 

(Kim Burkart)

 

DAHAB, ÄGYPTEN

Ein Tag am Riff des Blue Hole – aus der Perspektive eines Fisches

Am Morgen wurde ich von einer Plastiktüte geweckt, die den Eingang zu meiner Spalte verdeckte. Ich verbringe eigentlich jede Nacht in diesem kleinen Zwischenraum im Riff. Vor einigen Wochen noch, da wohnte ich in einem größeren Spalt etwas weiter nördlich, doch der wurde leider von Tauchern zerstört. Viele Häuser von meinen Freunden wurden ebenfalls von Luftflaschen und Flossen zerstört. Die Anzahl an freien, bewohnbaren Spalten fängt langsam an abzunehmen…

Doch zurück zur Plastiktüte. Plastiktüten am Morgen bedeuten eines von zwei Dingen: eine starke Strömung, die das Plastik von anderen Teilen des Roten Meeres zu unserem Riff trägt oder ein kräftiger Wind an der Wasseroberfläche, der den Müll aus den Straßen Dahabs ins Meer weht. Dahab ist nicht gerade die sauberste Stadt. Es ist nicht ganz so schlimm, wie an einigen anderen Orten von denen ich gehört habe, jedoch ist die Präsenz von Müll allgegenwärtig. Wind spielt eine wichtige Rolle in den Leben der Menschen hier. Wenn es windig ist, dann können die Fischer nicht aufs Meer fahren, weil die Wellen zu hoch für ihre kleinen Boote sind, Taucher können nicht jeden Tauchplatz anfahren, weil der Einstieg bei hohem Wellengang oft zu schwierig ist und die Händler auf den Straßen müssen ihrer Ware hinterherlaufen. Nur die Kitesurfer auf ihren Boards freuen sich über den Wind. Hier an diesem Riff trifft man allerdings nicht so viele Surfer an. Die bleiben normalerweise näher an ihren Hotels. Das Blue Hole – mein Zuhause – ist ungefähr dreißig Minuten von Dahab entfernt und wird auf der einen Seite vom Sinaigebirge und auf der anderen vom Meer eingefasst. Trotzdem es der gefährlichste Tauchplatz der Welt ist und hier mehrere Personen jedes Jahr sterben, gibt es sehr viel Tauch- und Schnorchelaktivität. Die Taucher stören mich nicht wirklich, solange sie sich vom Riff fernhalten und nichts außer Luftblasen zurücklassen.

Wie schon bereits erwähnt, hat der Tag sehr windig begonnen. Man kann die Brandung unter Wasser spüren und viele von meinen planktonessenden Freunden lieben dieses Wetter. Der Wellengang und die Strömung tragen Nährstoffe näher ans Riff und sie haben wieder neue Nahrung. Ich selbst esse Korallen, aber da diese sich ja auch von Plankton ernähren, freue ich mich ab und zu über ein bisschen Wind. Der Wind bedeutet allerdings auch mehr Taucher am Blue Hole. Der Einstieg zum Riff ist geschützt vom Meer und nicht dem Wetter ausgesetzt, was es zu einem der einzigen bei diesen Windbedingungen zugänglichen Tauchplätze in der Gegend macht. Meistens halten die Taucher Abstand und schwimmen nur an uns vorüber. Manche von ihnen schrammen jedoch an die Korallen und zerstören diese so. Taucher mit mehreren Flaschen sind die schlimmsten, da sie mit den Flaschen am Bauch das Riff zerstören. Drei Freunde haben auf diese Weise schon ihr Haus verloren.

Um die Mittagszeit herum, entschied sich die Sonne herauszukommen und der Wind legte sich ein wenig. Die Auswirkungen der windigen Nacht konnte man trotzdem noch sehen: Plastiktüten, leere Dosen und Teppiche trieben durch das Wasser. Die Sonne beschien das Plastik, was über unserem Riff schwebte und versuchte Schönheit in diesen traurigen Anblick zu bringen. Obwohl das reflektierende Licht dem Müll etwas fast Magisches verlieh, weiß ich, dass Plastik in Wirklichkeit nichts Magisches an sich hat. Wahrscheinlich wird es in den nächsten paar Wochen einen meiner Freunde umbringen.

Nach einem kurzen Sonnenintervall, begann der Wind wieder über das Meer zu fegen. Es war ungefähr 15 Uhr, Zeit für die Reef Checker. Die Reef Checker sind eine Gruppe von Tauchern, die jedes Jahr an unser Riff zurückkehren und sich Notizen über seine Gesundheit machen. Sie legen eine Schnur über das Riff und nehmen alles in einem bestimmten Abstand zu dieser Schnur auf: die Anzahl und Spezies der Fische, den Untergrund, die Invertebraten, die Anzahl an zerstörten Korallen usw. Angeblich helfen die Daten, die sie hier sammeln, den Menschen die Riffe der Welt besser zu verstehen. Sie wollen die Entwicklungen über die Jahre kennenlernen und Gründe für Probleme finden. Ich bin nicht der Meinung man müsse lange nach der Antwort suchen. Das Grundübel all unserer Probleme sind die Menschen. Wir kommen mit Stürmen, Sintfluten und Dornenkronenausbrüchen klar. Wovon wir uns nicht wieder erholen können sind Taucher, die mit ihren Flossen den Sand aufwirbeln, der sich dann auf die Korallen legt und diese erstickt und das Plastik, was Jahre braucht um sich zu zersetzen. Selbst dann verschwindet das Plastik nicht einfach auf magische Weise. Es ist immer noch vorhanden. Man kann es nur nicht mehr mit dem bloßen Auge sehen. Meine Freundin die Schildkröte hat mir mal vom Großen Pazifikmüllfleck erzählt. Eine riesige Fläche voller Müll der Menschen. Viele ihrer Brüder und Schwester haben ihr Leben gelassen, als sie versucht haben dem Plastikdschungel zu entkommen.

Trotz allem schätze ich die Bemühungen der Reef Checker. Sie lassen uns wissen, dass wenigstens ein paar Menschen unsere Situation erkannt haben und uns helfen wollen. Heute werden sie mit dem Anblick eines jungen Walhais belohnt. Er ist in die Gegend gekommen, um sich am Plankton satt zu fressen, dass der Wind aufgewühlt hat. Ich sehe die Aufregung und Freude der Taucher und lächle in mich hinein. Wenn sie nur wüssten, was für seltene Tiere sich noch in diesem Riff verstecken.

Der Rest des Tages vergeht ereignislos und ich werde nicht weiter von Tauchern oder Schnorchlern gestört. Einzig die Marmormuräne ein paar Korallen weiter, die mich schon seit Längerem beäugelt, bereitet mir Sorgen. Ich kehre zurück in meine Spalte und weiß, dass es – trotz des Plastiks – ein guter Tag am Riff war.

(Silke Müller)

 

 

 

Wie wäre es, wenn…?

Text von Gina, Romain-Rollan-Gymnasium

Es war ein ganz normaler Tag. Eine Weile dachte ich zumindest, dass der Tag genauso verlaufen würde wie jeder Tag. Bald wusste ich, wie falsch ich da lag.
Wenn ihr euch fragt, wer ich bin: ich heiße Kate und bin 16 Jahre alt. Vor ein paar Tagen hatte ich ein ganz normales Leben als Schülerin, aber seit gestern hat sich alles verändert…

Wie immer bin ich um 7 Uhr aufgestanden, habe mich angezogen, bin zur Schule gegangen und war beim Französisch-, Mathe- und Chemieunterricht, alles nicht so sonderlich interessant.
Dann bin ich zum Klassenzimmer, wo wir Englischunterricht haben (ja, ich weiß, genauso langweilig wie der Anfang des Tages), aber als ich den Raum betrat, stockte mir kurz der Atem und mir fiel die Kinnlade runter.
Ich befand mich mitten im Regenwald. Ja, ihr habt richtig gehört, im Zimmer waren Bäume und Kletterpflanzen. Ich habe mich gefragt, ob ich noch in unserem Klassenzimmer war.
Auf einmal hörte ich eine Stimme neben mir, die sich sehr überrascht anhörte, und als ich mich umdrehte, sah ich meine beste Freundin Lucie. Zumindest war ich nicht mehr alleine in dieser verrückten Situation.
“Was geht hier vor?“, fragte sie etwas gereizt und ich musste zugeben: „Glaub mir, Lucie, ich würde gerne genau das gleiche wissen, aber ich habe überhaupt keine Ahnung.“
“Was machen wir denn jetzt? Können wir nicht einfach wieder aus der Tür rausgehen?“, wollte sie wissen. Eine gute Frage!
Es war so heiß und schwül, ich konnte mich kaum konzentrieren. Ich sagte mir: „Komm, keine Panik jetzt! Du bist irgendwie hierher gekommen (wo auch immer ich war, wusste ich auf jeden Fall, dass ich nicht mehr in unserer Schule war), du kannst genauso gut wieder zurückkehren. Ich muss nur herauskriegen wie.“
Mit lauter Stimme antwortete ich: „Ich weiß es nicht, aber wir können es versuchen.“ Und ja, wir versuchten zurückzugehen, aber schon kam der nächste Schreck: die ganze Schule war mit allen möglichen Pflanzen überwachsen. Wir sind schnell in unser Klassenzimmer, beziehungsweise das, was es früher mal war, zurückgekehrt.
“Und jetzt?” “Wir können nicht einfach hier bleiben und warten. Lass uns gucken, wie wir die Lage besser überblicken können“, antwortete ich und versuchte dabei, nicht zu ahnungslos zu klingen. Wir sind an einem riesigen Busch entlang gelaufen, wo die Wand hätte sein müssen, und kamen zur Fensterseite hin, wo nun eine gigantische Kletterpflanze stand. Ich folgte meinen Instinkten, zog an der gummiartigen Pflanze und konnte ein paar von ihren Ranken aus dem Weg räumen. Zu unserer Überraschung schauten wir plötzlich aus einem Fenster heraus, ja, ein Fenster mitten im Dschungel!
Wir guckten einander an, die Verwirrung stand uns beiden ins Gesicht geschrieben. Wir waren aber noch verwirrter, als wir auf einmal ein seltsames Geräusch hörten.
Stotternd fragte Lucie: „Hörst du das? Das unheimliche Brüllen?“ Natürlich konnte ich es hören, es war nicht zu überhören. „Es kam von hinter dem Fenster“. Wir schauten aus dem Fenster, aber da war nichts. Na ja, eigentlich konnte man doch etwas sehen, irgendetwas, was uns bekannt vorkam. Auf den zweiten Blick erkannten wir unsere Schule, viel grüner als sonst mit den ganzen Pflanzen wie auch unser ehemaliges Klassenzimmer, aber genauso angelegt wie unsere Schule. „Wie ist das möglich?“, flüsterte ich Lucie zu, die zustimmte: „Ja, wenn das unsere Schule ist…“, aber sie hatte keine Zeit zu Ende zu sprechen. Direkt vor uns stand ein Wesen, das ich in meinem ganzen Leben nie gesehen hatte. Ich kann es nicht mal beschreiben. Es sah aus wie ein Tiger, hatte allerdings lange Stoßzähne und den Panzer eines Gürteltiers. Nach dem ersten großen Schock sah ich mit Erleichterung, dass das Fensterglas noch zwischen uns und dem Wesen stand.
Aber dann versuchte es, sich durch die Pflanzenwand durchzuschlagen und wir bekamen beide erneut große Panik. Wir hörten, wie die Krallen die Pflanzen und das Mauerwerk entlang kratzten, ein penetrantes, beängstigendes Geräusch. Mir sträubten sich die Nackenhaare.
Was sollten wir machen? „Kate, wir müssen zurück.“ „Ja, ich weiß, zurück in unsere Zeit.“ Als das unheimliche Wesen direkt vor uns erschien, hatte ich einen Geistesblitz. Wir waren zwar noch in unserer Schule, aber offenbar lange Zeit nachdem, wir eigentlich zur Schule gingen. Es mag seltsam klingen, aber wir waren in der Zukunft, es gab keine andere Erklärung. „Wie bitte?“, fragte Lucie erstaunt. Ich versuchte zu erklären: „Ja, wir müssen in der Zukunft sein. Es gibt keine andere Erklärung. Ich denke, als wir durch die Tür reinkamen, gingen wir durch einen Zeitportal.“ „Das ist doch ein Witz!“ „Nein, leider nicht.“ „Und wie kommen wir denn zurück in unsere Zeit?!“ In dem Moment sahen und hörten wir mit Entsetzen, wie das Wesen die aus Pflanzen bestehende Wand beinahe durchbrach, bis es letztlich die ganze Überwucherung durchdrang mit einer schaurigen Schrei. Es kam nun direkt auf uns zu. Jetzt schien alles wie in Zeitlupe zu geschehen. Ich packte Lucie am Arm und zog sie mit zur Tür, das Monster direkt auf unseren Fersen, ich konnte sogar seinen Atem im Rücken spüren. Dann plötzlich war alles weg, sowohl die Pflanzen als auch das Wesen, und wir waren zurück, zurück in unserer Zeit und unserer Schule.
“Wie hast du das gemacht?“, fragte mich Lucie bestürzt. „Na ja, ich habe mich einfach daran errinert, dass in dem Moment, wo alles losging, ich mich gefragt hatte, wie die Schule hier in 50 Jahre aussehen würde, und offensichtlich bekam ich diese Antwort. Die Pflanzen und die Tiere würden diesen Ort wiedererobern und nur die Menschen würden die Harmonie stören können. Dann dachte ich einfach an unserer Zeit in der Schule und fragte mich, wie es wäre, wenn wir nicht mehr da wären, und dann ging ich durch die Tür.“
“Das heißt, du kannst überall in der Zeit herumspringen, indem du dich einfach fragst, wie es wäre, wenn?“ „Anscheinend…“ „Dann können wir froh sein, dass du dir die richtige Frage gestellt hast!“